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    Pressemitteilung vom 18.02.2026

    1. Lüneburger Bildungskonferenz: So stellen sich Kinder die „Schule zum Wohlfühlen“ vor

    HANSESTADT LÜNEBURG. – Vom gegenseitigen Zuhören bis hin zum Förderband für Schulrucksäcke – Kinder haben viele Ideen, um sich an ihrer Grundschule noch wohler zu fühlen. Das haben sie am Dienstag, 17. Februar, im Rahmen der 1. Lüneburger Bildungskonferenz im Gespräch mit erwachsenen Expertinnen und Experten deutlich gemacht. Zu der Konferenz hatte die Hansestadt in Kooperation mit der Leuphana Innovation Community Schulentwicklung und Leadership eingeladen.

    „In der Lüneburger Bildungslandschaft ist aktuell viel in Bewegung: Im kommenden Schuljahr kommt der Ganztag flächendeckend an allen Lüneburger Grundschulen. Der gemeinsame Schulentwicklungsprozess mit dem Landkreis ist angestoßen. Der Bildungspakt 2040 ist in der politischen Beratung“, sagte Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch zur Begrüßung. „Beim Thema Bildung sind wir alle gefragt, aber ganz besonders die Schülerinnen und Schüler. Sie haben heute in besonderem Maße das Wort.“

    Diskussionen von Klein und Groß auf Augenhöhe

    Rund 80 Kinder aus 3. und 4. Klassen haben bei der Bildungskonferenz in Workshops auf Augenhöhe mit Erwachsenen diskutiert und ihre Ideen vorgestellt. Teilgenommen haben Delegationen der St.-Ursula-Schule, der Heiligengeistschule, der Hermann-Löns-Schule sowie der Grundschulen Häcklingen, Im Roten Felde und Am Sandberg. Schon im Vorfeld der Konferenz hatten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Studierenden die Themenschwerpunkte erarbeitet.

    „Ich finde es cool, dass ich hier auch mitreden kann“, sagt Grundschülerin Ava aus der St.-Ursula-Schule. Sie wünscht sich einen Stundenplan, den sie selbst gestalten kann, und mehr Möglichkeiten, ruhige Pausen zu verbringen.

    Lehrkräfte, Schulleitungen, Mitarbeitende aus der Schulsozialarbeit, Elternvertretungen, Vertreter:innen aus Verwaltung und Politik sowie die weiteren Gäste nahmen die Partizipation der Kinder sehr ernst: Sie hörten ihnen aufmerksam zu und diskutierten mit den Schülerinnen und Schülern die Ideen. 

    Bedarfe der Kinder im Fokus

    „Kinder lernen besser, wenn sie sich sicher fühlen, wenn sie mitbestimmen können und wenn Schule als Lebensort verstanden wird. Gleichzeitig wissen wir, dass Schule vor vielen Herausforderungen steht“, sagt Prof. Dr. Simone Abels, Vizepräsidentin für Graduate School, Qualitätsentwicklung und Lehrkräftebildung an der Leuphana Universität Lüneburg. „Schule verändert sich nicht einfach so. Sie verändert sich dann, wenn Menschen anfangen, miteinander zu sprechen, einander zuzuhören und den Mut haben, Ideen auszuprobieren.“

    Ninja Müller, Lehrbeauftragte des Seminars „Bildungskonferenz mit der Hansestadt Lüneburg“ an der Leuphana: „Diese Bildungskonferenz ist etwas ganz Besonderes, weil die Grundschüler:innen gemeinsam mit den Studierenden die Themen und Workshops erarbeitet haben. Wir sind von den Bedarfen der Kinder ausgegangen und haben Schritt für Schritt mit dem weitergearbeitet, was sie eingebracht haben. Das ist Partizipation pur!“

    Info

    Gemeinsam mit zwei jungen Teilnehmenden der Bildungskonferenz schauen sich Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (2. v. l.) und Jutta Bauer, Fachbereichsleiterin Bildung und Familie bei der Hansestadt, die aus Legosteinen gebaute Traumschule an.
    Foto: Leuphana
     

    Große Träume und kleine Wünsche: Ergebnisse der Workshops

    In insgesamt acht Workshops haben sich die Kinder mit Themen zu den Schwerpunkten „Schule als Lebensort“, „Verpflegung“, „Soziales Miteinander“ und „Partizipation“ beschäftigt. Dabei kamen große Träume aufs Papier wie ein Schwimmbad auf dem Schulhof oder ein Förderband für Schulrucksäcke. Aber auch Rückzugsorte, Pausenräume bei schlechtem Wetter und ausreichend intakte Toiletten kamen an die Pinnwände.

    Mehrere Schülerinnen und Schüler wünschten sich einen flexibleren Stundenplan, der sich stärker an ihren Interessen orientiert wie Tierkunde, Kochen, Nähen oder Gaming. Bemerkenswert dabei: Keines der Kinder hat komplett auf Fächer wie Mathe und Deutsch verzichtet. Manche hielten sogar Pausen dort für überflüssig, wo die Fächer besonders viel Spaß machen. Ebenfalls ein großes Thema für die Dritt- und Viertklässler:innen: der Umgang miteinander. Respekt, gegenseitiges Zuhören, einander helfen und vertrauen können – das gehört für sie zu einer „Schule zum Wohlfühlen“ dazu.

    Die Erwachsenen nehmen demnach nicht in erster Linie nur große, teure Wünsche der Kinder von der Bildungskonferenz mit. Einige Anregungen wie der Umgang miteinander oder Abläufe im Schulalltag sind kostenlos und können kurzfristig in den Schulalltag integriert werden.

    Ergebnisse werden nun ausgewertet

    „Für die Umsetzung braucht es uns Erwachsene. Wenn Kinder jedoch sagen, was sie brauchen, entsteht ein Wissen, das Erwachsene gar nicht haben können — weil wir Schule nicht mehr aus der Schülerperspektive erleben. Und dieses Wissen ist für weitere Entscheidungen sehr wertvoll“, zieht Claudia Kalisch ein Fazit. „Ich bin allen Kindern, die sich in diese Bildungskonferenz eingebracht haben, sehr dankbar für ihre Ideen und ihren Mut, diese zu äußern.“

    Aktuell werden die Ergebnisse aus den Workshops der 1. Lüneburger Bildungskonferenz von der Stadtverwaltung und der Leuphana Innovation Community ausgewertet und als Orientierung für die Schulen und die Verwaltung aufbereitet. Anschließend werden sie auch online zur Verfügung gestellt. Vor allem die Kinder sollen auf dem Laufenden bleiben, damit sie merken, dass ihre Stimme Gewicht hat.

    Hintergrund

    Die Bildungskonferenz ist ein Ergebnis der Lüneburger Stadtkonferenz, zu der Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch im Jahr 2024 unter dem Titel „Bildung im Wandel“ eingeladen hatte. Damals wurde deutlich, dass ein regelmäßiger Austausch aller Beteiligten, aus Theorie und Praxis, zu einer bedarfsgerechten Weiterentwicklung von Schule wichtig und hilfreich ist.

    Info

    Konzentriertes Arbeiten in einem Workshopraum
    Foto: Leuphana