Galerie der Oberbürgermeister Lüneburgs
von 1945 – 2021
Die Lüneburger Stadtführung war von 1945 bis 1996 aufgeteilt in eine Doppelspitze aus einem ehrenamtlichen Oberbürgermeister und einem hauptamtlichen Oberstadtdirektor, der die administrative Leitung übernahm.
Die Porträts der ehrenamtlichen Oberbürgermeister nach 1945 finden Sie auf dieser Seite.
Eine Übersicht über die Oberbürgermeister von 1800 bis 1945 sowie über die Oberstadtdirektoren von 1945 bis 1996 finden Sie in der Galerie der Stadtoberhäupter.

Ulrich Mädge war von 1991 bis 2021 Oberbürgermeister in Lüneburg, zunächst ehrenamtlich, ab 1996 hauptamtlich.
Foto: Hansestadt Lüneburg
Ulrich Mädge
Ulrich Mädge (11.6.1950) war der erste hauptamtliche Oberbürgermeister Lüneburgs. Mit seinen 30 Jahren Amtszeit dürfte er zu den am längsten amtierenden Stadtoberhäuptern in Deutschland gehören.
Er stammt aus Vienenburg/Am Harz. Der gelernte Elektroinstallateur/Bürokaufmann kam 1970 als Bundeswehr-Zeitsoldat (Unteroffizier) nach Lüneburg und blieb. Ab 1979 machte er eine Ausbildung als Diplom-Verwaltungswirt (FH) und es folgte eine Beschäftigung beim Landkreis Lüneburg. 1979 trat er in den Lüneburger Ortsverein der SPD ein.
Sein politischer Werdegang im Überblick:
1981: Wahl in den Rat der Stadt Lüneburg
1986: Wiederwahl in den Rat der Stadt
1986-1991: Fraktionsvorsitzender der SPD
1991: Wiederwahl in den Rat der Stadt und zum ehrenamtlichen Oberbürgermeister
1996 war es dann soweit: Ulrich Mädge wurde am 29.9. in direkter Wahl zum ersten hauptamtlichen Oberbürgermeister Lüneburgs bestimmt. Damit vertrat er die Stadt und ihre Menschen nach außen wie bisher und war zugleich Chef der Verwaltung. Das Amt des Oberstadtdirektors gab es nicht mehr.
Zusammen mit seinen Partei-Freunden wie Wolfgang Schurreit (Kreis Lüneburg) und dem Landtagsabgeordneten Uwe Inselmann wurden gute Kontakte zur Landesregierung geknüpft und die Stadt weiter modernisiert.
Seine Beliebtheit war und blieb sehr groß, wie die Stichwahl am 15.6.2014 zeigte: 71 Prozent der Stimmen fielen auf ihn.
Der „Marathon-Oberbürgermeister“ (H.-H. Jenckel) blieb bis 2021 im Amt, dann war die gesetzliche Altersgrenze erreicht, eine weitere Wahl ausgeschlossen.
Er dürfte zu den am längsten amtierenden Stadtoberhäuptern in Deutschland gehören. Zum Vergleich: Der Oberbürgermeister von Hannover Herbert Schmalstieg brachte es auf 34 Jahre (1972 – 2006).

Jens Schreiber war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1987 – 1991.
Foto: Lüdeking/Stadtarchiv Lüneburg
Jens Schreiber
Jens Schreiber (2.5.1942 – 13.6.2002), gebürtiger Lüneburger, war Diplom-Kaufmann und Geschäftsführer einer Lüneburger Baufirma; ab 1972 war er für die CDU Mitglied im Rat der Stadt. Mit Blick auf seinen Beruf führte dies in der lokalpolitischen Debatte auch zu Kritik.
Er engagierte sich für den Ausbau der Salztherme SaLü sowie des städtischen Klinikums und für die Leuphana als „Campus-Universität“ auf dem Gelände der Scharnhorst-Kaserne, das die Bundeswehr aufgegeben hatte.
In seiner Amtszeit als Oberbürgermeister wurde der Verkehrsentwicklungsplan am 20.12.1990 vom Rat der Stadt verabschiedet, in dem ein Absatz lautet: „Es gilt: Fahrrad vor Auto.“ Aber im gleichen Jahr wurde auch das Parkhaus „Am Graalwall“ eröffnet und die „Ost-Umgehung“ (Autobahn A 39/B4).
Die „Wende“, der Zusammenbruch der DDR am 9. November 1989, fiel in seine Amtszeit: Lüneburg wurde in großer Zahl von DDR-Bürgern besucht. Zusammen mit Oberstadtdirektor Faulhaber organisierte Schreiber am Wochenende mit den Bäckern der Stadt ein großes „Willkommenskaffee“ im Rathaus. Hieraus entwickelte sich später das „Kulturfrühstück“.
In der ersten „Nachwende-Zeit“ wurden offizielle Kontakte Estland geknüpft, die 1993 in die Städtepartnerschaft mit Tartu (Dorpat) mündete.
Ehrung: Jens-Schreiber-Straße im Hanse-Viertel. (Ratsbeschluss 2011).

Horst Nickel war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1981 – 1987.
Foto: Lüdeking/Stadtarchiv Lüneburg
Horst Nickel
Horst Nickel (23.3.1918 – 22.1.1987), wurde in Elbing/Westpreußen (Elbląg, Republik Polen) geboren. Er hatte vor dem 2. Weltkrieg eine Lehrerausbildung absolviert, wurde aber dann Soldat (Oberleutnant). NSDAP-Mitglied seit dem 1. Mai 1937 (Mitgliedsnr. 5084928).
Im Oktober 1946 kam er aus Rudolstadt (Thüringen), wo er die örtliche CDU mitbegründet hatte, nach Lüneburg. Hier ergänzte seine Ausbildung und war wieder als Lehrer in Lüneburg tätig.
Ab 1961 war Horst Nickel CDU Mitglied des Lüneburger Rates und hatte 1964 bis 1972 das Amt des Bürgermeisters inne.
Von 1970 bis 1982 war er Mitglied des Landtages.
Seine Amtszeit war unter anderem geprägt durch Diskussionen um die Schließung der Saline (1980/81), Neubau des Fachhochschul-Komplexes in Volgershall, Ausbau der Pädagogischen Hochschule Lüneburg zur Universität (1989 Beschluss des Landtags).
1985 fand die erste Umwelt-Messe auf den Sülzwiesen statt und es wurden in der Stadt Recycling-Container aufgestellt. Auch die Sanierung des historischen Baubestandes nahm an Bedeutung zu.
Typisch für die Lüneburger Lokalpolitik konnte er sich auf eine „stille große Koalition“ der Parteien CDU, FDP, SPD stützen.
Er verstarb im Amt.
Ehrung: Horst-Nickel-Straße (Ratsbeschluss 23.3.2000).

Heinz Schlawatzky war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1978 – 1981.
Foto: Makovec/Stadtarchiv Lüneburg
Heinz Schlawatzky
Der gelernte Buchdrucker/Schriftsetzer Heinz Schlawatzky (27.2.1920 – 15.5.2003) stammte aus Genthin (Sachsen-Anhalt). Während des 2. Weltkriegs war ab 1943 bei der Luftwaffe als „Kampffliegerpilot“. Er absolvierte 1947 eine Lehrerausbildung und unterrichtete in Upahl (bei Grevesmühlen, Mecklenburg).
Nach seiner Flucht aus der DDR 1953 erneuerte er seine Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Lüneburg. Anschließend arbeitete er als Lehrer, zum Schluss war er Rektor der Anne-Frank-Schule im Stadtteil Kaltenmoor (1983). Parallel unterrichtete er 12 Jahr lang Mathematik an der Schule des Bundsgrenzschutzes (Bundespolizei).
Schlawatzky engagierte sich für die SPD und war Mandatsträger des Lüneburger Stadtrats und des Kreistags. In seiner Amtszeit legte er großen Wert auf die Kooperation von Stadt und Bundeswehr.
Es zeichnete sich die Schließung der Lüneburger Saline ab, die seit 956 sicher belegt ist. Ende März 1981 wurde der Kämmereiflügel des Rathauses, in dem sich die Büros des Oberbürgermeisters und des Oberstadtdirektors befanden, durch einen Brand geschädigt; nach drei Monaten war die „Chef-Etage“ wiederhergestellt.
In seiner Amtszeit erhielt die Stadt eine Erbschaft in Höhe von 2 Millionen Deutsche Mark (Kaufkraft 2026: ca. 2,5 Millionen Euro). Das Geld wurde für das Altenzentrum Westädts Garten (1982) verwendet.
Am 3.2.1996 vereidigte Heinz Schlawatzky als Rats-Ältester und Alt-Oberbürgermeister Ulrich Mädge als ersten neuen hauptamtlichen Oberbürgermeister Lüneburgs. Eine neue Ära begann.
Ehrung: Heinz-Schlawatzky-Straße (Ratsbeschluss 2011).

Alfred Trebchen war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1964 – 1978.
Foto: von Hartz/Stadtarchiv Lüneburg
Alfred Trebchen
Alfred Trebchen (20.11.1915 - 16.8.2011) stammte aus Dölzig bei Leipzig.
Der gelernte Maurer war seit 1930 aktiver Gewerkschaftler und Mitglied der SPD. 1936 bis 1945 diente er in der Luftwaffe. 1947 bis 1953 war er beim Lüneburger Arbeitsamt beschäftigt. Dann war er Geschäftsführer der Gewerkschaft ÖTV in Lüneburg.
In seine Amtszeit als Oberbürgermeister fielen der Bau der Stadtteile Kaltenmoor und Kreideberg, die erste Fußgängerzone (Große u. Kleine Bäckerstraße) sowie die niedersächsische Gebietsreform (1974), bei der Häcklingen, Ochtmissen und Rettmer eingemeindet wurden.
Er engagierte sich für den Ausbau von Schulen, Sportstätten und sozialen Einrichtungen. Dazu entstanden etwa 4000 Arbeitsstellen in der Stadt.
Trotz des Modernisierungsdrucks der 1960er/1970er Jahre setzte er sich für den Erhalt des historischen Stadtkerns ein. Allerdings fiel 1976 der Abriss der historischen MTV-Turnhalle in seine Amtszeit. 1976 besiegelte er die „Taufe“ eines Lufthansa Airbus A 300: "Lüneburg". Ebenso wurden die bis heute aktiven Partnerschaften mit Clamart (Frankreich) und Naruto (Japan) begonnen.
Von 1963 bis 1970 war er Mitglied des Niedersächsischen Landtages.
Alfred Trebchen war nicht nur der erste „Langzeit-OB“ nach 1945, sondern er stand wie auch seine Nachfolger Schlawatzky und Nickel als „(Heimat-)Vertriebener“ für die gelungene Integration in die Lüneburger Stadtgesellschaft.
Am 20.11.1978 wurde er mit einer aufwendigen Feier in den Ruhestand verabschiedet.
Ehrung: Alfred-Trebchen-Straße, Stadtteil Kaltenmoor. (Ratsbeschluss 2013).
Erich Drenckhan war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1964 – 1978.
Erich Drenckhan
Erich Drenckhan (13.2.1901 – 3.9.1971) studierte nach dem Abitur am Lüneburger Gymnasium Johanneum in Hannover Bauingenieurwesen. Anschließend war er bei der Wasserstraßenverwaltung Harburg.
1934 wechselt der Diplomingenieur zur Kriegs-Marine; 1943 wurde er Leiter der Marinebauverwaltung im besetzen Norwegen (Marinebaudirektor). Nach dem Krieg eröffnete er als „Marine-Baudirektor zur Disposition/Wiederwendung“ ein Büro in Lüneburg.
Ab 1956 war er für die CDU lokalpolitisch aktiv und wurde in den Rat gewählt. Bis 1965 war Ortsbeauftragter des THW Lüneburg. Nach dem verheerenden Erdbeben, das am 29.2.1960 die Hafenstadt Agadir/Marokko verwüstete, wurde Drenckhan von der Bundesregierung als Krisenberater dorthin entsandt.
In Lüneburg wurde in seiner Amtszeit die „Flächenrandbebauung“ beschleunigt. Die 1961 gebildete „Große Koalition“ von CDU und SPD schloss ihn von einer Wiederwahl aus.
Ab Januar 1968 stand Drenckhan im Zentrum einer lokalpolitischen Affäre: In „offener Ratssitzung“ wurde ihm vorgeworfen, „um persönlicher Vorteile“ willen auch als Oberbürgermeister dafür gesorgt zu haben, dass er als Statiker und Prüfungsingenieur bei der Vergabe von städtischen Aufträgen bevorzugt worden sei.
Der Rat setzte am 25.1.1968 „parlamentarischen“ Untersuchungsausschuss ein, dessen Zuständigkeit gerichtlich aufgehoben wurde. Das Verfahren endete ohne Ergebnis.
Am 25.04.1968 verzichtet der ehrenamtliche städtische „Senator“ Dipl.-Ing. Drenckhan auf seinen Sitz im Rat der Stadt Lüneburg.
Wilhelm Hillmer war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1958 – 1961.
Wilhelm Hillmer
Der in Garlstorf geborene Tischlergeselle Wilhelm Hillmer (14.11.1880 – 5.12.1973) kam 1890 als Kind nach Lüneburg.
Im Alter von 23 Jahren trat er hier nach einer vierjähriger Wanderzeit 1903 der SPD bei. 1905 wurde er Gründungsmitglied der Konsumgenossenschaft, dann Konsum-Filialleiter sowie Aufsichtsratsmitglied (1905 - 1933). Er diente als Soldat im 1. Weltkrieg. 1919 war er Gründungsmitglied der Lüneburger Arbeiterwohlfahrt.
Von 1920 bis 1933 wirkte er als Vorsitzender der Lüneburger SPD, 1924 bis 1933 als Mitglied des Bürgervorsteherkollegiums (Rat).
Nach 1933 „kaltgestellt,“ betrieb er in der Heiligen-Geist-Straße ein Lebensmittelgeschäft.
Bereits 1945 berief ihn die britische Militärverwaltung in den Rat und wurde zuständig für das Dezernat Sozialverwaltung.
1950 bis 1952 bzw. 1953 bis 1954 war er Bürgermeister.
Hillmer war neben seines politischen und sozialen Engagements auch Mitglied Nr. 1 der Lüneburger Volksbühne.
Nach einer Bauzeit von rund 31 Monaten wurde schließlich am 30. Oktober 1960 ein neues Hallenbad errichtet, das heutige SaLü.
Als die ersten Bundeswehreinheiten am 8. November 1958 in Lüneburg einrückten und begeistert empfangen wurden, stellte Hillmer in einer Rede auf dem Marktplatz fest: „Lassen Sie mich ganz klar und unmissverständlich aussprechen, was nicht dahinterstecken darf: Kein Wiederaufleben des Militarismus, keine Sehnsucht nach dem Glanz des bunten Tuches und des Ordenssegens.“
In seiner Amtszeit wurden das alte Kaufhaus an der Ilmenau und die Ratsbücherei durch Brandstiftung massiv beschädigt.
Ehrung: Wilhelm-Hillmer-Straße (Ratsbeschluss 1976).
Reinhold Kreitmeyer war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1954 – 1955.
Reinhold Kreitmeyer
Reinhold Kreitmeyer (23.7.1908 – 16.2.1996) stammte aus dem bayerischen Freilassung und war Berufssoldat (1928 Eintritt in die Reichswehr), Oberst a. D.
Im Dezember 1948 wurde er FDP Mitglied.
Als „Kriegsheimkehrer“ setzte er sich für deutsche Kriegsgefangene ein, die nach 1949 vor allem noch in der Sowjetunion (Rußland) inhaftiert waren.
Von 1951 bis 1972 war er Vorsitzender des FDP-Bezirksverbandes Lüneburg, in den Jahren 1961/62 und 1966 bis 1969 war er Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes Lüneburg.
Er war von 1951 bis 1957 Mitglied des Niedersächsischen Landtages und dort 1955/56 Vorsitzender der FDP-Fraktion.
Von 1952 bis 1972 war er auch im Lüneburger Rat.
Dem Bundestag gehörte Kreitmeyer von 1957 bis 1965 an. Er war über die Landesliste Niedersachsen ins Parlament eingezogen.
Schwerpunkt seiner parlamentarischen Tätigkeit war die Wehrpolitik, vor allem ging es ihm um das Nato Truppenstatut und die Rechte ausländischer Truppen in der Lüneburger Heide (Truppenübungsplätze).
In seiner Amtszeit als Oberbürgermeister wurde der von ihm favorisierte Plan, an der Uelzener / Soltauer Straße und dem Badehaus „eine kombinierte Badeanlage“ („Kreitmeyer Projekt“) zu bauen, kontrovers diskutiert, der Baubeginn sollte noch dauern (heute SaLü).
Von 1965 war er bis 1973 „Erster Sprecher“ (= Vorsitzender) des Lüneburger Männerturnvereins von 1848. Eines seiner „sportlichen Steckenpferde“ war Basketball; er bemühte sich, diese Sportart in Lüneburg bekannt zu machen.
Seine Amtszeit als Lüneburgs Oberbürgermeister dauerte sechs Monate.
Den Ruhestand verbrachte er in Bayern.

Peter Gravenhorst war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1952 – 1954 / 1955 – 1958.
Foto: Unbekannt/Stadtarchiv Lüneburg
Peter Gravenhorst
Peter Gravenhorst (9.6.1914 – 4.10.1998) war Jurist und Notar in Lüneburg wie sein Vater und Großvater. Er kehrte erst 1949 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Lokalpolitisch engagierte er sich für die Deutsche Partei (DP).
Er war der dritte Oberbürgermeister des um verschiedene Vertriebenenvertretungen erweiterten „Bürgerblocks“ in Folge.
Da zu dieser Zeit die vielfältige Lüneburger Parteienlandschaft oft sehr zerstritten war, wurde Reinhold Kreitmeyer als Oberbürgermeister vom Rat gewählt (1954). Aber bereits 1955 löste ihn Gravenhorst mit seiner zweiten Amtszeit ab.
In diese Zeit fiel die „1000 Jahr Feier“ Lüneburgs (956 – 1956). Eine NDR Reportage aus der Altstadt in Lüneburg in der Silvesternacht 1955/56 eröffnete das Jubeljahr mit Peter Gravenhorst, mit Oberstadtdirektor W, Böttcher und dem Lüneburger Museumsdirektor G. Körner.
Von der heutigen Erinnerungskultur sehr kritisch gesehen, war das städtische Engagement unter Gravenhorst für den Veteranenverein der 110. Wehrmachtsdivision, die in Lüneburg aufgestellt wurde und in Weißrussland Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt hatte.
In seine zweite Amtszeit fiel die Wiederbewaffnung (1955) und die Stationierung der ersten Bundeswehreinheiten in Lüneburg (z. B. Schlieffen-Kaserne, heute Leuphana Universität). Um der stark gestiegenen Kinderzahl („Babyboomer“) in der Stadt gerecht zu werden, wurde das Schulwesen weiter ausgebaut, was die städtischen Finanzen auf eine harte Probe stellte.
Im Mai 1958 trat er zurück, aus „privaten Gründen“.
Gravenhorststraße: Diese Straße wurde aber nach dem Justizrat und Lokalpolitiker Karl Gravenhorst (1837 – 1913), seinem Großvater, benannt.

Dr. Erich Dieckmann war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1951 – 1952.
Foto: Unbekannt/Stadtarchiv Lüneburg
Erich Dieckmann
Dr. Erich Dieckmann (20.7.1885 – 21.1.1953) wurde in Lüneburg geboren und stammte aus einer Kaufmannsfamilie (Herrenbekleidung, Rote Straße). Er machte am Gymnasium Johanneum Abitur, studierte Jura und wurde 1914 an der Universität Jena zum Dr. jur. promoviert.
Nach seinem Einsatz im 1. Weltkrieg ließ er sich nach kurzer Tätigkeit als Staatsanwalt in seiner Heimatstadt als Rechtsanwalt und Notar nieder.
Parteipolitisch war er vor 1933 in der DVP (Deutsche Volkspartei) aktiv. Die DVP hatte zwar gegen die Weimarer Verfassung gestimmt, entwickelte sich aber unter ihrem Vorsitzenden Gustav Stresemann zu einer Stütze der Republik.
Nach Rückkehr aus dem 2. Weltkrieg war er Gründungsmitglied der Lüneburger CDU und wurde bei der ersten Nachkriegs Kommunalwahl 1946 in den Rat gewählt.
Seit 1947 war im Aufsichtsrat der Saline Lüneburg AG.
Im November 1951 ersetzte er Paul Müller (Deutsche Partei) mit einer Stimme Mehrheit als Oberbürgermeister; der von SPD und KPD aufgestellte Gegenkandidat war Ernst Braune.
In seine Amtszeit fiel der Bau des „Nord-Ost-Instituts“ im Roten Felde. Das Institut mit seiner Spezial-Bibliothek erforscht bis heute als „An-Institut“ der Universität Hamburg die Geschichte der Deutschen im nordöstlichen Europa.
Im Dezember 1951 eröffnete er die KZ-Opfer Gedenkstätte im Tiergarten. Dies führte in der Folgezeit zu massiven zivilgesellschaftlichen Protesten. Die Stadt begann mit einem Wohnungsbauprogramm (Hasenburger Berg), um der andauernden Wohnungsnot zu begegnen.
Im November 1952 beendete er krankheitsbedingt sein lokalpolitisches Engagement.

Dr. Paul Müller war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1949 – 1951.
Foto: Unbekannt/Stadtarchiv Lüneburg
Paul Müller
Dr. Paul Müller (22.10.1901 – 18.11.1956) wurde in Celle geboren und war 1930/31 vorübergehend als Justiz-Referendar in Lüneburg. 1937 trat er in die NSDAP ein.
1939 kam der Jurist als Geschäftsführer der Handwerkskammer wieder nach Lüneburg, wo er 1941 zur Wehrmacht einberufen wurde. Nach seiner Rückkehr war er lokalpolitisch aktiv.
Er schloss sich der Deutschen Partei (DP) an, die in den 1950er Jahren in Niedersachsen relativ stark war und später mit der CDU fusionierte.
Die DP bezog sich auf Deutsch-Hannoversche Partei (1866 – 1933), und stand für eine nationalkonservative, dezidiert föderale Politik. Vor allem über Direktmandate war sie auch bis 1961 im Bundestag und in der Bundesregierung vertreten. Viele ihre Funktionäre und Aktiven wechselten schließlich zur CDU.
Als Oberbürgermeister wurde Müller vom sog. „Bürgerblock“ aus CDU, FDP und die DP gestützt; er wurde gegen SPD und KPD mit einer Stimme mehr gewählt.
In Lüneburg bemühte sich Müller vor allem um die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe, um Arbeitsplätze für die nach 1945 stark angewachsene Bevölkerung zu schaffen.
Zum Jahreswechsel 1951/52 wechselte er als hauptamtlicher Stadtdirektor nach Soltau.

Enst Braune war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1946 – 1949.
Foto: Makovec/Stadtarchiv Lüneburg
Ernst Braune
Der geborene Bremer Ernst Braune (2.9.1879 – 8.10.1954) war gelernter Maurer, seit 1899 sozialdemokratischer Gewerkschaftler und lebte ab 1902 in Lüneburg.
Er saß bereits vor 1933 für die SPD im Bürgervorsteherkollegium (Stadtrat).
Besonders prägend war sein Engagement für den Wohnungsbau (Volkshaus GmbH 1922, heute LüWoBau).
Während der NS-Zeit verlor er seine Ämter und war Repressionen ausgesetzt. Ab Juli 1945 war er dann wieder in Politik und Verwaltung der Stadt tätig.
Nach den ersten freien Kommunalwahlen wurde er am 23.10.1946 vom Rat zum Oberbürgermeister gewählt.
Seine Amtszeit war geprägt von der massiven Wohnungsnot, der Betreuung von Tausenden von Heimatvertriebenen sowie der miserablen Versorgungslage (Hungerwinter 1946/47). Aber es gab auch Positives: Am 3.5.1946 wurde die Pädagogische Hochschule eröffnet. Und am 10.1947 begannen in der Stadt die Entnazifierungsverfahren.
Braune bemühte sich, die tief gespaltene Stadtgesellschaft nach Krieg und Kapitulation wieder zusammenzuführen. Von 1946 bis 1954 war er Mitglied des Niedersächsischen Landtages.
Ehrung: Ernst-Braune-Straße, Mittelfeld, auch Ernst-Braune Siedlung (Ratsbeschluss 1959).

Werner Bockelmann war Oberbürgermeister in Lüneburg von 1945 – 1946.
Foto: Unbekannt/Stadtarchiv Lüneburg
Werner Bockelmann
Werner Bockelmann wurde von der britischen Militärverwaltung am 1.9.1945 zum Lüneburger Oberbürgermeister bestellt und löste Hans Drape ab.
Am 14.6.1946 wurde die Stadtvertretung mit ihren 32 Mitgliedern umbenannt und firmierte fort an als „Rat der Stadt Lüneburg“.
Im Zuge der ersten freien Kommunalwahl nach 1933 am 13.10.1946 wird Bockelmann vom nunmehr neuen Rat abgelöst und durch den neu gewählten Ernst Braune als Oberbürgermeister ersetzt.
Er selbst wurde aber zum Oberstadtdirektor und damit zum Leiter der Stadtverwaltung gewählt.
Ehrung: Bockelmannstraße (Ratsbeschluss 1968)
Oberbürgermeister 30.4.1945 ? – 30.8.1946 ?
Hans Drape
Hans Drape (25.05.1876 Hannover - 31.01.1947 Lüneburg) wurde von der britischen Militärverwaltung zusammen mit Karl Olvermann (Bürgermeister) am 30.4.1945 zum Oberbürgermeister ernannt. Vorgeschlagen wurde er vom Kaufmann Jakob Groth (Gr. Bäckerstr.) und dem Zahnarzt Dr. Erich Peters.
Eine seiner Amtshandlungen als Oberbürgermeister war die Rückbenennung von den Nazis umbenannten Straßen (26.6.1945): Aus der „Adolf-Hitler-Straße“ wurde wieder Lindenstraße, aus der „Hindenburg-Straße“ die Gartenstraße.
Drape war zwar Direktor der Licht- und Wasserwerke Lüneburg, hatte aber keine direkte Erfahrungen in der öffentlichen Verwaltung als solcher. Besonders unter den chaotischen Bedingungen der Nachkriegszeit konnte dies zu ungeahnten Problemen führen: So verlor die Stadt 40 000 Reichsmark für Medikamentenbeschaffung an zwei Hochstapler.
Hinzu kamen persönliche Schicksalsschläge: Kurz nach dem Amtsantritt starb sein Sohn als Kriegsgefangener.
Der Ingenieur hatte beruflichen Stationen in Berlin und Essen, bevor er 1911 nach Lüneburg kam.
Während des 1. Weltkriegs war er in Belgien für die deutsche Besatzungsmacht zuständig für die dortige Energieinfrastruktur und die Straßenbahnen.
Am 8. Mai 1945 stand er zusammen mit Olvermann auf dem Rathaus-Balkon, als Oberst Stansfeld die Kapitulation des Deutschen Reiches verkündete.