„Ehrenamt im Wandel“: Lüneburger Stadtkonferenz und Stadtmesse stärken die Zukunft des Engagements
HANSESTADT LÜNEBURG. – „Das Ehrenamt ist das Rückgrat der Gesellschaft, die Stütze des Gemeinwesens.“ So eröffnete Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch die 5. Lüneburger Stadtkonferenz. Am 9. Mai drehte sich im Zentralgebäude der Leuphana Universität alles um das Thema „Ehrenamt im Wandel“. Begleitet wurde die Konferenz von der Stadtmesse, bei der rund 50 Vereine und Institutionen auf ihr Engagement aufmerksam machten.
„Neben all den individuell engagierten Menschen gibt es in unserer Stadt allein 755 Vereine, in denen Ehrenamtliche organisiert sind“, so Kalisch. Feuerwehr, Rettungsdienst, Sport, Kirche, Kultur, Sozialwesen – in all diesen und weiteren Bereichen spüre die Hansestadt Lüneburg die große Bedeutung des Engagements. „Ohne die Menschen, die ihre Zeit schenken, sich für andere einsetzen und freiwillig Verantwortung übernehmen, würde vieles in unserer Gesellschaft nicht funktionieren“, so Kalisch. „Genauso steht das Ehrenamt jedoch vor großen Herausforderungen. Deswegen habe ich diese Stadtkonferenz einberufen.“
Prof. Dr. Wibke Riekmann hat an der Hochschule Hannover den Forschungsschwerpunkt „Gemeinwesenarbeit und Community Organizing“. Sie machte auf dem Podium deutlich: „Das Ehrenamt ist eine umkämpfte Ressource in unserer Gesellschaft.“ Gleichzeitig betonte sie, dass in Bezug auf die Beteiligung in der Zivilgesellschaft dringender Handlungsbedarf bestehe: „Eine inklusive, demokratische Gesellschaft braucht gleiche Zugangschancen für alle sozialen Gruppen im Ehrenamt.“
Wunsch nach mehr Diversität
„Das Ehrenamt ist noch nicht sehr divers“, schloss sich Benjamin Adrion, Gründer von Viva con Agua, an. „Das ist eine Herausforderung.“ Der Ex-Fußballprofi stellte die Arbeit von Viva con Agua vor, für die ehrenamtliches Engagement elementar ist. Durch seine internationale Arbeit weiß Adrion mit Blick auf das Ehrenamt in Deutschland: „In anderen Ländern können sich die Menschen nicht vorstellen, warum man sich freiwillig engagiert. Das wir hier so viel Engagement haben, ist ein großes Privileg!“
Sofian Messaoud ist u. a. im Niedersächsischen Integrationsrat aktiv. Er unterstrich, warum Vielfalt auch im Ehrenamt wichtig ist: „Jeder Mensch hat eine eigene Geschichte. Und jeder Mensch bringt eine eigene Profession mit. Das sorgt für Lebendigkeit und die macht glücklich.“
Mehr Diversität im Ehrenamt erhofft sich auch Regionalbischöfin Marianne Gorka. „Wir haben in Deutschland eine starke gemeinsame Kraft und können im Ehrenamt noch viel diverser werden.“ Kirche sei ohne das Ehrenamt nicht denkbar, sagte sie. Auf eine hauptamtliche Stelle kämen 3,7 Ehrenamtliche. „Wir haben seit dem vergangenen Jahr ein eigenes Ehrenamtsgesetz“, erklärte die Regionalbischöfin. Davon könne Lüneburg lernen.
Auf die Frage, was vor allem junge Menschen bräuchten, um sich ehrenamtlich zu engagieren, sagte Max Süling vom Jugendforum Lüneburg: „Vor allem viele Orte, an denen man sich engagieren und mitmachen kann.“ Aber auch die Kommunikation, welche Orte es bereits gebe, sei wichtig. „Die Angebote müssen offen und locker sein, damit man gerne mitmacht.“
Mit Christian Röhling, u. a. stellvertretender Vorsitzender des Landessportbundes, sprach Claudia Kalisch auf dem Podium auch über die Rolle der Digitalisierung im Ehrenamt: „Besonders seit der Corona-Pandemie ist die Digitalisierung deutlich vorangeschritten. Wir können heute im Sport viele Foren und Meetings online anbieten.“ Das erleichtere den Zugang – besonders für junge Menschen. Die sozialen Medien bergen laut Röhling Chancen wie Netzwerke oder die Organisation und Bewerbung von Veranstaltungen. „Gleichzeitig lauern Risiken wie öffentliche Anfeindungen. Wir müssen lernen, damit richtig umzugehen. Denn der Sport ist für das Ehrenamt geschaffen – und ohne das Engagement kaum möglich.“
Vier Workshops zum Ehrenamt
Anschließend starteten vier Workshops zu den Themen „Netzwerkarbeit und Strukturen“, „Inklusion und Vielfalt“, „Zusammenarbeit mit Unternehmen“ und „Ehrenamt in Quartier und Stadtteil“. Mehr als 150 Interessierte waren dabei und haben sich mit Aspekten des Engagements auseinandergesetzt.
Erste Ergebnisse sind unter anderem: Es wird Folgeveranstaltungen geben, die sich mit den Herausforderungen für das Ehrenamt auseinandersetzen. Es gab aber auch bereits erste konkrete Ideen wie ein Spendenparlament, ein „Volunteer Wheel Dating“, bei dem Unternehmer:innen und Ehrenamtliche nach dem „Speed Dating“-Prinzip zusammenfinden, oder eine Plattform im Social Hackathon als Überblick über Stiftungen, Unternehmen, ehrenamtliche Organisationen und Aufgaben.
Diese und noch mehr Impulse werden nach einer Auswertung der Ergebnisse in einer Mindmap online auf www.hansestadt-lueneburg.de/stadtkonferenz zur Verfügung gestellt. Wenn es so weit ist, werden die Ergebnisse auch im Dialograum der Hansestadt präsentiert.
„Auch auf der Messe gab es neue Impulse. Es sind einige Kontakte entstanden – und in manchen Fällen hat sich herausgestellt, dass man sich schon lange kannte, nur noch nie über eine Kooperation gesprochen hat. Jetzt wurden erste Gespräche geführt. Einige Aussteller konnten ihre Bekanntheit steigern“, zog Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch abschließend eine Bilanz. Ihr Fazit zur Stadtkonferenz und zur Stadtmesse. „Es gibt viele Fäden, die wir nun auch aufnehmen und weiter verknüpfen sollten. Jede kleine Verbesserung, die daraus entsteht, ist ein Gewinn – für das Ehrenamt und für unsere Gesellschaft.“

Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (3. v. l.) und ihre Gäste auf dem Podium der Stadtkonferenz (v. l.): Prof. Dr. Wibke Riekmann, Christian Röhling, Max Süling, Sofian Messaoud, Benjamin Adrion und Marianne Gorka.
Foto: Hansestadt Lüneburg
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