AGL modernisiert Lüneburgs Abwasserinfrastruktur in den nächsten Jahren grundlegend
Hansestadt Lüneburg. – . Große Teile der Abwasserinfrastruktur in Lüneburg sind veraltet. Der Sanierungs- und Modernisierungsbedarf ist entsprechend hoch. Die Abwasser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL) hat jetzt zwei zentrale Großprojekte vorgestellt: die Kanalsanierungsstrategie „Quartier für Quartier“ und das Leitprojekt „Saubere Ilmenau“.
„Eine leistungsfähige Abwasserinfrastruktur ist ein zentraler Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge und wichtig für Umwelt- und Gesundheitsschutz“, sagt AGL-Geschäftsführer Lars Strehse. „Die anstehenden Maßnahmen sind umfangreich und werden uns über viele Jahre begleiten. Umso wichtiger ist ein systematisches Vorgehen und eine frühzeitige Information der Öffentlichkeit.“
Kanalnetz wird schrittweise zukunftsfähig
Die Strategie „Quartier für Quartier“ bildet den langfristigen Rahmen für die Sanierung und Erneuerung des Lüneburger Kanalnetzes. Grundlage sind fortlaufende Zustandsuntersuchungen und bekannte Daten zur hydraulischen Leistungsfähigkeit der bestehenden Anlagen. Ziel ist es, notwendige Arbeiten strukturiert zu planen, nach Dringlichkeit zu priorisieren und schrittweise in einzelnen Quartieren umzusetzen.
Ein Großteil des Kanalsystems ist in die Jahre gekommen; einige Abschnitte sind so stark geschädigt, dass sie langfristig einsturzgefährdet sind. „Was unter der Erde liegt, sehen die Menschen nicht. Es kann aber zu einem großen Problem werden“, erläutert Olav Hinz, Abteilungsleiter Kanalsanierung bei der AGL. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind der Einsturz an der Reichenbachstraße, bei dem ein Passant verletzt wurde, sowie akute Schäden mit Folgen für den Straßenverkehr am Lambertiplatz, Am Graalwall und aktuell an der Dahlenburger Landstraße.
Die Strategie umfasst sowohl die Sanierung bestehender Kanäle als auch – wo erforderlich – deren Erneuerung oder den Neubau einzelner Anlagen. „Es darf nicht länger nur darum gehen, akute Brände zu löschen“, betont Strehse. „Wir müssen das Kanalnetz, seine Belastbarkeit und die künftigen Anforderungen umfassend betrachten und nachhaltig auf einen modernen Stand bringen.“ Eine frühzeitige Planung sei wichtig, um Investitionen vorausschauend zu bündeln, die Finanzierung sicherzustellen und die Auswirkungen auf Anwohnende und Verkehr besser zu koordinieren.
„Saubere Ilmenau“: Innenstadtentwässerung wird modernisiert
Ein besonders umfangreiches Vorhaben ist das Leitprojekt „Saubere Ilmenau“. Untersuchungen und Modellierungen haben gezeigt, dass Teile der bestehenden Innenstadtentwässerung den heutigen technischen Anforderungen nicht mehr genügen. Das betrifft unter anderem drei der fünf untersuchten Regenüberläufe. Bei starkem Regen kommt es dadurch immer häufiger zu Überlastungen des Kanalnetzes und zum Abfluss von unbehandeltem Schmutzwasser in die Ilmenau über sogenannte Abschlagsbauwerke.
Die AGL hat verschiedene Lösungsansätze geprüft und eine technische Vorzugsvariante entwickelt. Sie soll die festgestellten Defizite beheben und die Voraussetzungen für eine genehmigungsfähige, langfristig tragfähige Entwässerung schaffen. Geplant sind: die Anpassung von Mischwasserüberläufen, der Neubau eines Sammelkanals vom Behördenzentrum „Auf der Hude“ bis zu einem Speicherbecken, die getrennte Ableitung von Schmutz- und Regenwasser in relevanten Abschnitten, der Neubau des Ilmenau-Dükers und die Schaffung zusätzlichen Speichervolumens für Misch- und Schmutzwasser.
Der neue Düker soll aus getrennten Strängen für Schmutzwasser, Mischwasser bei Trockenwetter sowie Mischwasser bei Regenwetter bestehen. Der bestehende Düker ist nach den vorliegenden Untersuchungen abgängig und muss ersetzt werden.
Als Standort für die geplanten Rückhalteanlagen ist der ESV-Sportplatz in direkter Nachbarschaft zur Kläranlage vorgesehen. In die Planung fließen verschiedene Anforderungen ein – etwa der Neubau des Dükers, die Trennung von Schmutz- und Regenwasser, die Schaffung von Rückhaltevolumen sowie der Neubau einer Abwasser-Großwärmepumpe durch die AVACON Natur GmbH und die AGL GmbH. Eine Nutzung des Sportbereichs soll auch nach Realisierung des Beckens weiterhin möglich bleiben. Dies gilt allerdings nur, wenn die vierte Reinigungsstufe im Kläranlagenbetrieb errichtet werden kann. Sollten die neuen baulichen Anlagen nicht in den bestehenden Kläranlagenbetrieb integriert werden können, müssten diese auf den Sportplatz ausweichen. Zur Klärung dieser Frage laufen bereits technische Untersuchungen, die Anfang 2027 abgeschlossen sein sollen.
Für das Projekt „Saubere Ilmenau“ hat die AGL im August 2026 eine Ingenieurgemeinschaft mit der Generalplanerleistung beauftragt. Die aktuelle Terminplanung sieht den Abschluss der Entwurfsplanungen im Sommer 2027 und das Einreichen der Genehmigungsvorlage bis Ende 2027 vor. Die Vergabe der Bauleistungen und der Baubeginn sind nach jetzigem Stand für das Jahr 2028 vorgesehen. Der Investitionsrahmen zur Durchführung des Projektes wird aktuell auf rund 95 Millionen Euro (netto) geschätzt.

Erläuterten die Zukunftsprojekte der AGL: Gesche Niemann-Hiessel (l.) und Mario Tucci (r.), beide Projektleitung „Saubere Ilmenau“, Lars Strehse (2.v.l.), Geschäftsführer der AGL GmbH und Olav Hinz, Abteilungsleiter Kanalsanierung. Foto: Hansestadt Lüneburg

Symbolbild Kanalarbeiten. Foto: AGL

Symbolbild Kanalbau. Foto: AGL
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